Mainova Frankfurt Marathon 2018

 

«This is your day» - so lautete das Motto des 37. Frankfurt Marathon. Aber als erfahrener Läufer weiss man, dass die 42,195km immer zuerst gelaufen werden müssen. Also der Reihe nach:

So eine Marathonwoche ist für mich immer etwas ganz besonderes. Wenn Nervosität und Vorfreude sich gegenseitig anstacheln, wenn der Selbstzweifel und der Glaube an die eigene Stärke sich um die Wette balgen, wenn es plötzlich überall zwickt und zwackt, dann ist es endlich wieder soweit: der alles entscheidende Tag rückt näher.
Dieses Mal bin ich nicht besonders gut – um nicht zusagen denkbar schlecht - in die entscheidende Woche gestartet. Am Sonntag vor dem Lauf hatte ich urplötzlich Kopfweh. Ein Drama, bahnt sich da, nach all‘ dem Training, etwa eine Grippe an? Bis Dienstag hatte es sich aber zum Glück gelegt und ich konnte am Mittwoch noch ein letztes lockeres Läufchen machen. Und dann war es auch schon so weit und ich packte all die vielen Sachen, die das Leben schöner machen – hinein ins Weekend-Feeling!

Dies sollte mein insgesamt Zehnter Marathon, mein siebter auf der Strasse, werden. Und es war mein 4. Versuch, die magische 3 Stundenmarke auf der klassischen Distanz zu unterbieten. Drei Mal bin ich zuvor bereits an dieser Marke gescheitert, mit Fanfaren und Trompeten untergegangen.
Aber ich war wirklich sehr gut vorbereitet, das Training zumindest lief ohne Probleme. Und eines war diesmal anders: ich war jetzt Mitglied im LSVW! Und an dieser Stelle möchte ich mich für die herzliche Aufnahme im Verein bedanken. Mir gefällts!

Schon am Freitag, dem Anreisetag, erlitt mein Selbstvertrauen aber einen nächsten Dämpfer: Halsweh! Das kann doch einfach nicht wahr sein! So war ich mir am Freitagabend ziemlich sicher, am Sonntag nicht starten zu können. Denn mit Infekten ist bekanntlich nicht zu spassen. Aus irgendeinem Grund schien nach einer Nacht im Hotel aber wieder alles i.O. Ob es doch nur die Nervosität war? Keine Ahnung, aber es war weg und das altbekannte Nudelfuttern konnte beginnen.

So stand ich am Sonntag zwar ausgeruht und pünktlich, jedoch mit vielen Selbstzweifeln an der Startlinie. Gedanken wie „4:15er Pace? Über die Distanz? Das schaffst du NIE!“ gingen mir durch den Kopf. Und doch war mir irgendwie klar, dass mein Training solche Zeiten eigentlich zulassen sollte. Oder müsste? Wie viel soll ich riskieren? Immerhin bin ich schon dreimal desaströs gescheitert und diese Woche war mehr als durchzogen.
Also: „No risk no fun?“ oder doch „in der Ruhe liegt die Kraft“? „Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein?“ „Ja, äähh nein, ich meine jein!“

Doch mit dem Pulver des Startschusses hatten sich sämtliche Zweifel plötzlich verflüchtigt und ich war mir schon nach hundert Metern sicher: „Das wird mein Tag!“
So versuchte ich - stur wie ich bin - die angestrebte Pace zu laufen. Nur bitte, bitte bloss nicht schneller! Meine ersten 5km waren zwar ein ganzes Stück zu langsam, aber, wie sagt man so schön: „Marathon ist im Prinzip ganz einfach. Man muss versuchen auf der ersten Hälfte kein Depp zu sein, und auf der zweiten kein Weichei!“

Gesagt, getan.
Das Tempo fühlte sich über weite Strecken eigentlich auch ganz vernünftig an, nur meine Waden haben schon in der ersten Hälfte angefangen dicht zu machen – nicht Lustig! Aber was blieb mir anderes übrig als weiter mein Tempo zu laufen? So lief ich also, und wartete, wann und wo „der Mann mit dem Hammer“ mich diesmal holen würde.
Kilometer 35: Ich segelte zwar hart am Wind (die letzten 10km waren fast schnurgerade und mit reichlich Gegenwind),  war aber noch auf Kurs. Und ich fühlte mich - bis auf die verdammten Waden - auch noch ganz OK. Für das, was alles schon hinter mir lag, eigentlich sogar richtig gut. Und ich freute mich auf den Zieleinlauf. Dieser soll hier in Frankfurt nämlich etwas ganz Besonderes sein. Das Ziel liegt innerhalb der Festhalle, welche auf einem roten Teppich zwischen abertausenden Zuschauern durchquert wird.

Die letzten zwei drei Kilometer waren dann zwar, wie sollte es auch anders sein, nicht mehr unbedingt ein Vergnügen. Ein alter, weiser und ziemlich schneller Läufer (Thomas Frieden) hat einmal zu mir gesagt: „manchmal musst du halt einfach deine Komfortzone verlassen!“ Ja genau, du mich auch! Warum kommt mir so ein Spruch ausgerechnet jetzt, am Ende meiner Kräfte, in den Sinn?

Kurz vor dem Ziel wurde mir dann noch, wie angeworfen, plötzlich spei Übel. Aber irgendwas ist halt immer und in diesem Moment war mir irgendwie alles egal. Denn ich wusste: „Das kann dir jetzt keiner mehr nehmen!“

Und so bog ich, mit meiner Traumzeit auf der Uhr, in die rappelvolle Festhalle ein. Und das, meine lieben Lauffreunde, war schlicht DER WAHNSINN. Unglaublich! Wer da keine feuchten Augen kriegt muss ein ganz schön abgebrühter Hund sein.

Mit 2:59:04 habe ich ausgestempelt, überglücklich, komplett am Ende. Und ich konnte – Waden sei Dank – kaum mehr einen Schritt gehen. :-)

«This is your day» - Frankfurt hat tatsächlich Wort gehalten.

 

Resultate    
Gesamt: 1'039 von 10'619
Männer: 969 von 8'316
AK M35: 209 von 1'170